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03.05.2017   |   Abrechnung

Abrechnung: Leserfragen zu Überweisungen, Zielaufträgen & Mitbehandlungen

Frage 1: Wir haben ein Problem mit der präoperativen Diagnostik und hoffen, Sie können uns helfen. Im Zentralklinikum A. werden in der Augenambulanz ambulante Augenoperationen durchgeführt. Wir sollen jetzt hier die präoperative Diagnostik durchführen. Die Augenambulanz sagt, sie dürfe KEINE Überweisungsscheine ausstellen, auch nicht als Auftragsleistung. Sie gibt uns auch keine schriftliche Kostenzusage. Man sagt uns, es würde ausreichen, wenn dem Patienten der Brief mit dem Operationstermin mitgegeben wird. Stimmt das?

Antwort: Die Aussage der Augenambulanz ist richtig. Zur präoperativen Untersuchung benötigen Sie nicht zwingend einen Überweisungsschein (anders als bei der Abrechnung der GOP 31600).

Leider ist es oft so geregelt, dass Ambulanzen der Krankenhäuser keine Überweisungsscheine ausstellen dürfen. Das ist natürlich schade, denn so können Sie die GOP 01436 nicht zusätzlich auf einem Überweisungsschein abrechnen. Sie rechnen also in diesen Fällen auf Ihrem Originalschein die GOP 31010ff. bei den Patienten ab.

Frage 2: Welche Überweisungen darf ein Radiologe annehmen (Zielaufträge, Konsiluntersuchungen oder Mit-/Weiterbehandlung)? Ich bekam von verschiedenen Personen der KV Berlin immer wieder unterschiedliche Auskünfte und hätte gerne Rechtssicherheit.

Antwort: Radiologen erhalten Auftragsüberweisungen, auf denen der Auftrag ganz klar benannt sein soll/muss. Aus diesem Grund haben die Radiologen auch eigene Konsiliarpauschalen und keine Versicherten- oder Grundpauschalen wie Haus- oder andere Fachärzte. Alle anderen in der Präambel genannten abrechnungsfähigen Leistungen stehen in direktem Zusammenhang mit der Erbringung von radiologischen Leistungen, haben also nichts mit Konsiliarbehandlung oder Mit-/Weiterbehandlung zu tun.

Frage 3: Wir sind eine hausärztlich-internistische Praxis. Ein Patient kommt mit einer Überweisung vom Allgemeinmediziner. Diese ist an Innere Medizin ausgestellt und lautet auf „Mit-/Weiterbehandlung“. Was können wir nun abrechnen, wenn mit dem Patienten „nur“ ein Gespräch stattfand?

Antwort: Sie rechnen die Versichertenpauschale und bei einem 10-minütigen Gespräch noch die GOP 03230 ab. Wenn internistisch abgerechnet wird, können Sie nur die Grundpauschale des Internisten ansetzen.

Frage 4: Ein Privatpatient ruft im Januar 2017 an und berichtet, er habe bei uns (Hausarztpraxis) im Dezember 2016 einen Überweisungsschein zum Orthopäden telefonisch bei meinen Mitarbeiterinnen angefordert. Leider ist bei uns dazu nichts dokumentiert. Der Patient sagt, ohne Ü-Schein bekomme er die 800 Euro der Rechnung von seiner PKV nicht erstattet, denn so sei das laut dem Hausarztmodellvertrag bei seiner PKV.

Ich habe angeboten, einen Ü-Schein mit aktuellem Datum auszustellen, da ich unter diesen Umständen keine Möglichkeit sehe, einen Ü-Schein aus Dezember 2016 auszudrucken. Hat der Patient damit eine Chance auf Erstattung, oder haben Sie eine bessere Idee?

Antwort: Ein Überweisungsschein mit dem aktuellen Datum wird dem Patienten nichts nützen, denn die Hausarztprogramme der Privatversicherungen sehen wie in der GKV vor, dass der Patient vor Beginn der Behandlung einen Überweisungsschein vom Hausarzt erhält.

Es ist aber möglich, einen Privatschein für das entsprechende Datum nachträglich anzulegen und einen Überweisungsschein mit dem entsprechenden Datum auszustellen. Der Patient erhält dann auch die Rechnung über die Ausstellung der Überweisung. Denn es kann ja immer wieder mal vorkommen, dass Bestellungen von Patienten bei der hektischen Arbeit in der Hausarztpraxis untergehen. Dann wäre es nicht das Verschulden des Patienten, den man ja auch nicht verärgern möchte. Ich würde das jedenfalls so handhaben.

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