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30.05.2015   |   Abrechnung

Abrechnung von IGeL-Leistungen

Zu den letzten und auch wichtigsten Schritten innerhalb Ihres IGeL-Managements gehört die Honorarforderung, indem Sie Leistungen korrekt abrechnen und den Patienten eine Rechnung ausstellen. So machen Sie hier alles richtig:

IGeL-Leistungen werden nach den Regeln der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet. Weder Pauschalbeträge noch die Abrechnung nach EBM sind zulässig. Gesetzlich versicherte Patienten werden also in diesen Fällen zu Privatpatienten.

Praxistipp: Beachten Sie, dass Patienten immer erst nach der Leistungserbringung zahlen. Eine Vorkasse ist nicht erlaubt.

Achten Sie außerdem unbedingt darauf, dass die Voraussetzungen für die Abrechnung der erbrachten IGeL-Leistung nach GOÄ vorliegen. Checken Sie deshalb jedes Mal genau:

  • Es handelt sich tatsächlich nicht um eine GKV-Leistung.
  • Der Patient wurde über die Leistungen der GKV aufgeklärt und darüber, dass es sich um eine darüber hinausgehende Leistung handelt.
  • Es liegt ein gültiger Behandlungsvertrag vor.
  • Die Leistung ist erbracht worden, und zwar auf Wunsch des Patienten.

Praxistipp: Wenn Praxen die Rechnungen nicht selbst stellen, sondern das Forderungsmanagement an private Verrechnungsstellen abgeben, dann müssen sie hierfür das Einverständnis von den Patienten schriftlich einholen.

Was gehört auf die IGeL-Rechnung?

Wenn Sie die Rechnungen gemäß GOÄ vorbereiten, dann listen Sie auf:

  • die entsprechenden GOÄ-Leistungsziffern,
  • das Datum der Leistungserbringung,
  • verständliche Beschreibungen der Leistungen,
  • die Grundgebühren,
  • die jeweiligen Steigerungssätze und
  • die errechneten Gesamtgebühren.

Kennzeichnen Sie die Leistungen als Wunschleistungen.

Praxistipp: Vergessen Sie nicht, ein Zahlungsziel einzutragen. Hier können Sie dem Patienten einen zeitlichen Spielraum gewähren.

Wann kommen Analogziffern zum Einsatz?

In der GOÄ sind neue therapeutische oder diagnostische Verfahren gegebenenfalls noch nicht verzeichnet. Gibt es keine Leistungsziffer für die erbrachte Leistung, so kommen Analogziffern zum Einsatz: Sie wählen eine zur erbrachten Leis-tung gleichwertige GOÄ-Leistung.

Praxistipp: Neben der verständlichen Beschreibung der Leistung müssen Sie in der Rechnung auf die als gleichwertig herangezogene GOÄ-Leistung zum Beispiel mit der Formulierung „entsprechend“ bezugnehmen und die Leis-tung mit Ziffer entsprechend nennen.

Spielraum bei der Vergütung – der Steigerungsfaktor

Ärzte sind nicht an die Berechnung des einfachen Gebührensatzes gebunden, sondern können Steigerungssätze ansetzen.  Der § 5 der GOÄ sieht einen Gebührenrahmen mit Mindest- und Höchstsätzen vor. Dadurch entsteht ein Abrechnungsspielraum. Für die vom Arzt persönlich zu erbringenden Leistungen wird im Allgemeinen die Gebühr zwischen dem Einfachen und dem 2,3-Fachen des Gebührensatzes bemessen.

Der Faktor 2,3 bildet den Schwellenwert oder auch mittleren Standard. Wenn Schwierigkeit und Zeitaufwand es im Einzelfall rechtfertigen, kann der Schwellenwert von 2,3 bis zum 3,5-fachen Steigerungsfaktor (Höchstsatz) überschritten werden. Dann ist in der Rechnung für die Leistung unbedingt eine verständliche schriftliche Begründung anzugeben.

Beachten Sie: Bei anderen Leistungsgruppen weichen die Höchstsätze und Schwellenwerte ab. Bei technischen Leistungen beispielsweise liegt der Schwellenwert bei 1,8, der Höchstwert bei 2,5. Für Laborleistungen liegt der Höchstwert beim 1,3-Fachen, der Schwellenwert bei 1,15.

Praxistipp: Bei der Festlegung des Steigerungssatzes sind Preisabsprachen unter Ärzten nicht zulässig.

Ist die Umsatzsteuer notwendig?

Leistungen ärztlicher und medizinischer Art, die der Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten und anderen Gesundheitsstörungen dienen, sind im allgemeinen umsatzsteuerfrei.

Im Umkehrschluss sind alle Leistungen, die diese Kriterien nicht erfüllen, umsatzsteuerpflichtig, z. B. Schönheitsoperationen und Fahrtauglichkeitsuntersuchungen. Entsprechend müssen Sie dies in der Rechnung berücksichtigen. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Steuerberater.

Praxistipp: Stellen Sie dem Patienten die Rechnung zeitnah zu. Je länger Sie damit warten, desto mehr kommunizieren Sie, dass Ihnen die Honorarforderung nicht so wichtig ist.


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