arztpraxis.com

19.05.2014   |   Recht

Als Praxis bei Facebook aktiv: Worauf Sie achten sollten

Inzwischen nutzen auch viele Arztpraxen Facebook, um sich zu präsentieren, Patienten zu informieren, Stellen auszuschreiben oder auch, um über Bewerberinnen oder sogar Aktivitäten von Mitarbeiterinnen zu recherchieren. Dabei sollten Sie aber einige rechtliche Bedingungen beachten:

1.    Urheberrecht

Sie dürfen nur Fotos, Grafiken, Filme und Texte in soziale Netzwerke einstellen, die Sie entweder selbst erstellt haben (dann sind Sie ja der Urheber) oder bei denen Sie die Genehmigung des Urhebers eingeholt haben. Verstöße gegen die Rechte des Urhebers können mit kosten-pflichtigen Abmahnungen geahndet werden – und das passiert gar nicht so selten. Gerade Bildagenturen scannen das Internet regelmäßig nach rechtswidrig verwendeten Bildern.

2.    Recht am eigenen Bild

Dieses ist im Kunsturheberrechtsgesetz geregelt (KUG). § 22 KUG lautet: „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“

Bilder Ihres Praxisteams dürfen Sie also nur online stellen, wenn alle Abgebildeten damit einverstanden sind. Das gilt natürlich erst recht für Bilder von Patienten.

3.    Bewerberrecherche

Wer seine Daten in einem sozialen Netzwerk öffentlich zugänglich macht, muss damit rechnen, dass andere – auch potenzielle Arbeitgeber – sie einsehen. Wenn Sie dann entdecken, dass die in ihren Unterlagen sehr seriöse Bewerberin sich bei Facebook eher niveaulos präsentiert, kann das natürlich ein Grund sein, sie nicht einzustellen.

Sie sollten allerdings nicht aufgrund von Fakten entscheiden, bei denen Diskriminierung vermutet werden könnte (z. B. Hautfarbe, ethnische Herkunft, Religion). Insbesondere sollten Sie ein solches Faktum nicht als Grund für die Ablehnung nennen, denn dann riskieren Sie eine Klage nach dem Antidiskriminierungsgesetz.

4.    Aktivitäten von Mitarbeiterinnen und ihre Folgen

Wenn Ihre Mitarbeiterinnen auch bei Facebook sind und öffentlich posten oder mit Ihnen „befreundet“ sind, bekommen Sie auch einiges aus deren Privatbereich mit, vielleicht auch manches, das  Ihnen ganz und gar nicht gefällt. Arbeitsrechtlich darf das aber keine Rolle spielen, solange die privaten Vorgänge sich nicht auf die Arbeit  auswirken. Beispiel: Private „Saufgelage“ sind Privatsache. Erst wenn eine Mitarbeiterin alkoholisiert in der Praxis erscheint, haben Sie  rechtliche Sanktionsmöglichkeiten.

Das gilt übrigens auch, wenn sich Mitglieder des Praxisteams im scheinbar privaten, faktisch aber öffentlichen Bereich des Internets despektierlich über Sie und/oder Ihre Praxis äußern. Schreibt eine MFA in einem Forum „Frau Doktor ist fachlich unfähig und außerdem eine blöde Ziege!“, liefert sie damit einen Kündigungsgrund, und zwar möglicherweise sogar für eine fristlose Kündigung.


Diesen Artikel empfehlen:
© arztpraxis.com    |   entwickelt von: L.N. Schaffrath DigitalMedien GmbH