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22.09.2014   |   Arzt News

Ärzte-Verband lehnt zentrale Terminvergabe ab

Die Kassenärzte halten nichts von den Plänen der Bundesregierung, mit einer zentralen Terminvergabe gegen lange Wartezeiten in Arztpraxen vorzugehen. "Wir lehnen eine zentrale Lösung ab, da diese nicht nur die Arztfreiheit aufhebt, sondern auch dem Wunsch vieler Patienten entgegenläuft", erklärte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, in Berlin. Man müsse jedoch über neue Steuerungsmöglichkeiten nachdenken.

Es zeige sich, dass der ungesteuerte Zugang zu den Praxen dazu führe, dass es bei besonders stark nachgefragten Ärzten lange Wartezeiten gebe, räumte die KBV ein. Sie ist die bundesweite Vertretung der niedergelassenen Ärzte und handelt auch Honorarregelungen mit den Krankenkassen aus. Das Gesundheitsministerium will an den Terminservicestellen festhalten. Die genaue Ausgestaltung sei noch offen, sagte eine Sprecherin.

Es gehe grundsätzlich darum, die ärztliche Versorgung zu verbessern. Im übrigen böten manche größeren Krankenkassen den Patienten schon jetzt Hilfe bei Terminschwierigkeiten. Nach einer Studie der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV haben 36 Prozent der Versicherten von den geplanten Terminservicestellen gehört. Zwei Drittel der Befragten fänden eine solche zentrale Vergabestelle gut, jedoch glaubten nur 30 Prozent, dass sich damit Wartezeiten verkürzen ließen. "Immerhin 72 Prozent der Befragten sagen, dass sie nicht zu irgendeinem, sondern zu ihrem Wunscharzt möchten. Eine zentrale Terminservicestelle kann solche Wünsche jedoch nicht berücksichtigen", argumentierte Gassen weiter.

Die Forschungsgruppe befragte vom 22. April bis 20. Mai insgesamt 6087 Bürger. Die gesetzliche Krankenkasse Barmer GEK sah die Argumentation der Ärzte-Vereinigung mit Skepsis und verlangte ein Ende der Bevorzugung von Privatpatienten bei der Terminvergabe. Ihr Vorstandsvorsitzender Christoph Straub erklärte: "Wir haben hier ein Problem, und die Ärztefunktionäre müssen es lösen." Ihre Skepsis gegenüber dem Vorhaben der Regierung, eine Terminvergabe innerhalb von vier Wochen vorzuschreiben, sollten die Ärztevertreter aufgeben.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, erklärte, insbesondere für die Pflegebedürftigen und die 700 000 Bewohner von Pflegeheimen müsse die zentrale Terminvergabe kommen. "Die Facharzt-Versorgung ist hier mangelhaft." Der NAV-Virchow-Bund, ein Fachverband der niedergelassenen Ärzte, erklärte: "Die Politik sollte Abstand von den geplanten Terminservicestellen nehmen, da sich weder Ärzte noch Patienten davon eine Verkürzung von Wartezeiten, so sie denn bestehen, versprechen." Ihr Bundesvorsitzender Dirk Heinrich argumentierte, die aktuellen Wartezeiten schienen die Patienten weniger zu stören, würden aber von der Politik zu einem Problem hochstilisiert. 81 Prozent der befragten Versicherten empfänden die Wartezeiten als angemessen.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, sieht in den Termin-Servicestellen ebenfalls keine Lösung. "Sie sind bürokratisch und schränken die freie Arztwahl ein." Solange sich für die Behandlung von Privatversicherten weitaus höhere Honorare erzielen ließen, werde sich an der Ungleichbehandlung auch nichts ändern. "Nur durch eine Bürgerversicherung wird die Benachteiligung von gesetzlich Versicherten beendet." dpa


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