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25.10.2015   |   Arzt News, Recht

Apotheker haftet für groben Fehler bei Medikamentenabgabe

Gibt ein Apotheker in grob fehlerhafter Weise ein falsches Medikament aus, haftet er für einen gesundheitlichen Schaden des Patienten. Das gilt auch dann, wenn nicht aufgeklärt werden kann, ob der Schaden tatsächlich auf den Fehler des Apothekers zurückzuführen ist, entschied das Oberlandesgericht Köln (Az.: 5 U 92/12). Er muss dann beweisen, dass der Schaden nicht auf der Fehlmedikation beruht.  

In dem von der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht des Deutschen Anwaltvereins mitgeteilten Fall sollte ein Säugling vor einer Herzoperation ein herzstärkendes Medikament erhalten. Aufgrund eines Versehens stellte der Arzt das Rezept in einer achtfach überhöhten Dosierung aus. Der Apotheker verkaufte das Medikament dennoch. Nachdem das Kind das Medikament wenige Tage erhalten hatte, erlitt es einen Herzstillstand und musste über 50 Minuten reanimiert werden. Die Eltern forderten sowohl vom Arzt als auch vom Apotheker Schadensersatz und Schmerzensgeld.  

Mit Erfolg: Das Kind weise fünf Jahre nach der Falschbehandlung eine Hirnschädigung auf, die sich in einem erheblichen Entwicklungsrückstand zeige. Ob dies auf tatsächlich am zu starken Medikament und dem Sauerstoffmangel nach dem Herzstillstand liege, sei zwar unklar. Dies dürfe jedoch nicht zulasten des Betroffenen gehen. Im Gegenteil müssten Arzt und Apotheker beweisen, dass der Schaden nicht aufgrund der Überdosierung entstanden sei. Dies sei ihnen nicht gelungen. dpa


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