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21.06.2015   |   Arzt News

Arzneimittelausgaben um fast zehn Prozent gestiegen

Die Arzneimittelausgaben sind im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 33,3 Milliarden Euro gestiegen. Der Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa) begründete das deutliche Plus gegenüber den vorausgegangenen Jahren von 2,94 Milliarden Euro mit Sondereffekten. Dazu zählten teure Innovationen bei der Behandlung etwa von Hepatitis-C-Patienten, die gestiegene Zahl gesetzlich Krankenversicherter um rund 430 000 sowie die Rücknahme des erhöhten Herstellerabschlags und die höhere Apothekenvergütung.

Wie aus dem neuen, vom IGES Institut erstellten Arzneimittelatlas weiter hervorgeht, kamen im vergangenen Jahr außergewöhnlich viele neue Medikamente auf den Markt, dies habe die Therapien für Patienten verbessert. Das Institut rechnet damit, dass in den kommenden Jahren der Ausgabenanstieg wieder zurückgeht. In den Jahren vor 2014 betrug die durchschnittliche Zunahme zwei Prozent.

Vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer warnte vor einseitigen Einsparungen zulasten der Qualität bei der Versorgung der Patienten. Fischer wie auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) beklagten, dass neue Medikamente, die nach der Arzneimittelmarktreform (AMNOG) im Jahr 2011 wie verlangt einen Zusatznutzen nachweisen können, nicht in ausreichender Menge die Patienten erreichten.

Die Scheu der Ärzte vor einer umfassenden Änderung der Behandlungspraxis durch neue, bessere Medikamente sei nicht nachvollziehbar, erklärte Fischer. Denn das spare Kosten. Neue Hepatitis-C-Medikamente zum Beispiel "beseitigen die Viren im Körper komplett und sparen so langfristig Geld".

Die Versorgung mit innovativen Arzneimitteln verschlechterte sich nach Ansicht des BPI in den vergangenen Jahren seit Einführung des AMNOG vielmehr. Das AMNOG habe zu allererst Kostensenkung im Blick, weniger die Versorgung mit Innovationen.

Insbesondere die Verunsicherung der Ärzte, ob eine Verordnung neuer Arzneimittel erlaubt sei, bremse den Fortschritt in der Therapie aus, heißt es in einem Gutachten im Auftrag des BPI. Das Urteil "kein Zusatznutzen belegt" im Zusammenhang mit der AMNOG-Bewertung eines neu auf den Markt gebrachten Medikamentes sei nicht gleichbedeutend damit, dass es keinen Zusatznutzen gebe. Häufig fehle es einfach nur an einer ausreichenden Datenbasis für eine Bewertung.

Der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Florian Lanz, erklärte: "Der rasante Anstieg bei den Arzneimittelausgaben zeigt, dass über größere und nicht über kleinere Sparmaßnahmen nachgedacht werden sollte. Mit der Absenkung des Herstellerabschlags zum Jahreswechsel 2013/2014 ist ein nennenswerter Teil des Ausgabenanstiegs von der Politik hausgemacht."

Bei den Preisverhandlungen für neue Medikamente sei man auf dem richtigen Weg. "Besser wäre es jedoch, wenn die verhandelten Preise nicht erst nach einem Jahr, sondern vom ersten Tag der Zulassung an gelten würden", bekräftigte Lanz die Position des GKV-Spitzenverbandes, die von den Pharma-Verbänden abgelehnt wird. dpa


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