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05.04.2015   |   Arzt News, Medizinwissen

Aus Kohlenhydraten neu gebildete Fettsäuren fördern Diabetes

Zu viele gesättigte Fettsäuren im Blut können u. a. toxisch auf die Bauchspeicheldrüse wirken und gelten als Risikofaktor für Diabetes und nichtalkoholische Fettleber (NAFL). Daher wird gelegentlich noch vor dem Verzehr dieser Fette gewarnt. Allerdings werden die Blutgehalte dieser Fettsäuren zu einem Großteil von der Umwandlung überschüssiger Kohlenhydrate in der Leber bestimmt (De-novo-Lipogenese, DNL).

Gesicherte Erkenntnis bis jetzt:

  • In experimentellen Studien förderten erhöhte Blutwerte der gesättigten Palmitinsäure Entzündungen, der gesättigte Stearinsäure Übergewicht und beider Fettsäuren zusammen Insulinresistenz, allesamt Risikofaktoren für Diabetes.
  • Fettarme, kohlenhydratreiche Diäten erhöhen die DNL. Es entstehen v. a. Palmitin- und Stearinsäure sowie Palmitolein-, Öl- und Vaccensäure.
  • Eine erhöhte DNL fördert Insulinresistenz und die (nichtalkoholische) Verfettung der Leber und geht mit erhöhten Nüchterntriglyzeriden einher.

Anlass dieser Meldung

Unklar war bislang, ob sich die durch übliche Ernährungsweisen bedingten Unterschiede in der DNL auf das Diabetesrisiko auswirken. Die US-amerikanische Cardiovascular Health Study (CSH) untersuchte dies prospektiv an selbstständig lebenden Senioren, für die sowohl Ernährungs- als auch Blutdaten vorlagen.

Studiendesign

Studienart: prospektive Kohortenstudie, Biomarkerstudie, multivariat adjustiert

Datenerhebung: für die erste Kohorte 1989/90, 1992/93 Einschluss von 687 schwarzen Senioren, im gleichen Jahr Blutproben (nüchtern, bei -80 °C eingefroren), Dünnschichtchromatografie der Phospholipide; Ernährung anhand von Häufigkeitsfragebögen 1989/990 für die erste und 1995/96 für beide Kohorten, jährliche Klinikbesuche zur Ermittlung von Risikofaktoren und medizinischen Befunden durch Interviews, Untersuchungen und Blutanalysen

Probanden: Kohorten der US-amerikanischen CSH, zu Studienbeginn > 65 Jahre und frei von Diabetes, Blutanalysen von 3.004, Ernährungsdaten von 4.221 Teilnehmern, 60 % Frauen Dauer: 10 Jahre, in denen 297 Fälle von Typ-2-Diabetes auftraten

Quelle: Ma, W et al.: Am J Clin Nutrition 2015;101:153-163

Ergebnisse

Die Blutwerte ausgewählter gesättigter Fettsäuren korrelierten nur schwach mit den Verzehrsmengen. Wurden jedoch anstelle von Fett mehr Kohlenhydrate konsumiert, bildete die Leber vermehrt Palmitin- und Stearinsäure. Deren Blutwerte gingen mit einem signifikant erhöhten Typ-2-Diabetesrisiko einher (HR 1,89 bzw. 1,62).


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