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31.10.2014   |   Arzt News, Arzthelferin/MFA News, ZFA News

Bessere Versorgung von Patienten auf Intensivstationen

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) hat für Kliniken eine neue Zertifizierung im Bereich Intensivmedizin entwickelt. Diese soll die Qualität auf Intensivstationen sichern und die Versorgung der Patienten verbessern. Die Anforderungen des modular aufgebauten Zertifikats sind dementsprechend hoch. Geprüft werden unter anderem die personellen Ressourcen, die Behandlungsprozesse und -ergebnisse. Sowohl Universitätskliniken als auch nicht-universitäre Kranken­häuser können die Bescheinigung erhalten. Die ersten Vergaben sind noch für dieses Jahr geplant.

Über zwei Millionen Menschen werden in Deutschland jährlich intensiv­medizinisch behandelt. Dafür stehen etwa 1.200 eigens dafür ausgestattete Krankenhäuser zur Verfügung. Patienten, die eine besondere Überwachung, Pflege oder Behandlung brauchen, werden in einer spezialisierten Einheit von für diese Aufgaben geschulten Fachärzten und Pflegekräften versorgt. Dennoch besteht in diesem Bereich eines Krankenhauses aufgrund der schweren Erkrankungen das höchste Risiko für Komplikationen sowie zu versterben. „Darum ist die Sicherheit der uns anvertrauten kritisch erkrankten Patienten sowie der Erhalt und die Verbesserung der Versorgungsqualität das höchste Handlungsgebot“, betont Professor Dr. med. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum der RWTH Aachen.

Erstmals intensivmedizinische Inhalte geprüft

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wird die DGAI zukünftig Intensivzertifikate vergeben. Das Ziel ist, qualitativ hochwertige Intensivmedizin auf allen medizinischen Versorgungsebenen zu gewährleisten. Auf diese Weise soll die Qualität in den Einrichtungen gesichert und optimiert werden. „Dadurch können wir zusätzliche Leben retten und den Wunsch der Patienten und ihrer Angehörigen nach einer optimalen Behandlung erfüllen“, erläutert DGAI-Präsident Professor Dr. med. Christian Werner die Intention der Anästhesisten. „Unsere Fachgesellschaft hat hier eine Vorreiter-Rolle eingenommen“, führt er weiter aus. Eine strukturelle Zertifizierung, die nicht nur formale Aspekte sondern auch intensiv­medizinische Inhalte einbezieht, gab es bisher nicht.

Hohe Anforderungen gewährleisten Versorgungsqualität

Das neue Zertifikat kann von allen Kliniken und Fachrichtungen erworben werden. Es ist modular aufgebaut und besteht aus einem Basisteil und neun, darauf aufbauenden Kompetenz­modulen. Die Kliniken können als Basis ihre Intensivmedizin als Regel- und Schwerpunktversorgung zertifizieren. Zusätzlich, aber nicht obligat, stehen weitere Bereiche als Kompetenzmodule zur Auswahl: Forschung und Lehre, Neuro, Kardiovaskulär, Extrakorporale Lungen­unterstützung (ECMO), Entwöhnung von der Beatmung, Polytrauma, Verbrennung, Intermediate Care (IMC) und Transplantation. „So können sich die Kliniken das hohe Niveau ihrer jeweiligen Spezialisierung bescheinigen lassen“, erklärt Marx.

Die Zertifizierung stellt sehr hohe Anforderungen an die intensivmedizinischen Zentren. Hierzu zählen eine 24-stündige Aufnahme­bereitschaft für kritisch Kranke und eine Operationsbereitschaft für Notfälle rund um die Uhr. In der Kernarbeitszeit wird die Präsenz eines speziell ausgebildeten Facharztes gefordert, der ausschließlich für diesen Bereich zur Verfügung steht. Auch die Pflegekräfte brauchen eine besondere Qualifikation. Zudem darf ein Pflegender höchstens für drei Patienten zuständig sein. Im Rahmen einer Rezertifizierung werden die Kriterien alle drei Jahre überprüft. „Das Zertifikat ist ein Gütesiegel für die Kliniken“, versichert Marx. „Daher freuen wir uns über das große Interesse daran.“ Die ersten Bescheinigungen sollen noch dieses Jahr vergeben werden.


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