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27.08.2015   |   Arzt News, Arzthelferin/MFA News

Darmspiegelung nur noch virtuell?

Sie gilt nicht gerade als angenehme Untersuchung. Viele Menschen drücken sich deshalb vor der Spiegelung des Dickdarms (Koloskopie), obwohl sie ab dem 56. Lebensjahr von den Krankenkassen im Rahmen der Darmkrebsvorsorge im Abstand von zehn Jahren bezahlt wird. Verlockend erscheint daher ein neues Hightech-Verfahren: die "virtuelle Koloskopie" oder CT-Kolonografie. Dabei macht ein Computertomograf (CT) von außen digitale Schnittbilder vom Inneren des Darms.

Ist dies also die sanftere Methode? "Unter gar keinen Umständen", sagt Professor Jens Riemann, Gastroenterologe aus Ludwigshafen und Vorsitzender der Gastro-Liga e.V. "Wegen der Strahlenbelastung ist die CT-Kolonografie als reine Vorsorgeuntersuchung absolut nicht zulässig." Er warnt, solche Angebote wahrzunehmen. "Auch wenn das Verfahren gute Ergebnisse liefert, rechtfertigt es nicht die damit verbundene Strahlenbelastung. Leider unterschätzen viele Ärzte die Strahlendosis einer CT." Zudem werden die Kosten dafür - rund 800 Euro - nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen.

Die klassische Darmspiegelung hat darüber hinaus einen wesentlichen Vorteil: Werden während der Untersuchung Polypen entdeckt, die schon als Krebsvorstufe gelten können, können sie sofort entfernt werden. "Für den Eingriff, der rund 20 Minuten dauert", so Riemann, "erhalten die Patienten eine Kurznarkose. Deshalb spüren sie überhaupt nichts davon." Und die gründliche Darmreinigung bleibt auch bei der CT nicht erspart. Für beide Methoden müssen drei bis fünf Liter einer abführend wirkenden Flüssigkeit getrunken werden. Zur virtuellen Koloskopie raten Experten wie Professor Riemann nur in Einzelfällen: "Es gibt Menschen, bei denen man keine klassische Darmspiegelung machen kann, z. B. wegen entzündlicher Verengungen im Darm oder Verwachsungen nach einer Gebärmutterentfernung. Hier bietet diese Methode wirklich eine gute Alternative."


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