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24.04.2015   |   Arzt News, Arzthelferin/MFA News

Diagnose von Demenzen in Deutschland mangelhaft

Nur wenn eine Demenz und ihre Ursache früh erkannt wird, kann optimal behandelt werden. Daher fordern Experten eine möglichst frühzeitige Diagnose. In einer aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts berichten Wissenschaftler über den Missstand in der Versorgung.

Ein Blick auf die bundesdeutsche Behandlungsrealität macht sprachlos. Während einerseits immer neue Verfahren zur Frühdiagnostik erprobt werden, sind andererseits die vorhandenen und etablierten diagnostischen Möglichkeiten viel zu wenig im Einsatz. Zum Beispiel wird eine zerebrale Bildgebung in zeitlicher Nähe zur Diagnosestellung, wie sie in den gültigen S3-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Demenzen verankert ist, nur bei 30 Prozent der Betroffenen durchgeführt . Eine weitergehende Beurteilung der Bilddaten im Hinblick auf typische Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung (Biomarker-Analyse) findet praktisch nicht statt, obwohl diese mittlerweile flächendeckend zur Verfügung steht und in internationalen Leitlinien gefordert wird.


Das hat Konsequenzen. Zwischenergebnisse der DelpHi-MV-Studie, einer laufenden, bevölkerungsbasierten Interventionsstudie im hausärztlichen Bereich, machen deutlich, dass in Deutschland der Anteil an unspezifischen Demenzdiagnosen enorm hoch ist. Eine Bestimmung der Ursache einer Demenz ist aber unabdingbare Voraussetzung für die Erkennung heilbarer Mängel, wie zum Beispiel Depressionen oder Vitamin-B12-Unterversorgung. Schlimmer noch: Bei etwa 60 Prozent der Patienten wird eine Demenz im hausärztlichen Umfeld gar nicht erst erkannt.

Aber auch bei der unheilbaren Erkrankung Alzheimer, eine häufige Ursache einer Demenz, ist eine Früherkennung wichtig, da durch Medikamente eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs erreicht werden kann. Prof. Dr. Frank Jessen, Hauptautor der S3-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Demenz, betont: „Eine Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung ist für viele Menschen wichtig, um sich auf ihre persönliche Zukunft einstellen zu können und ihre Lebensplanung entsprechend auszurichten. Außerdem können durch Veränderungen des Lebensstils, zum Beispiel durch vermehrte körperliche und geistige Aktivität und Umstellung der Ernährung möglicherweise ein Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden, wenn man sie früh genug entdeckt.“


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