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26.12.2014   |   Arzthelferin/MFA News, Arzt News, Medizinwissen

Schmerzhaftes Winterwetter - Wie kaltes, feuchtes Klima unsere Gelenke beeinflusst

Nasskalte, windige Tage sorgen bei vielen Menschen für Unbehagen. Doch bei einigen geht es noch darüber hinaus: Gelenkschmerzen zählen zu den fünf häufigsten Symptomen, von denen Wetterfühlige berichten. „Witterungseinflüsse rufen zwar keine Erkrankungen hervor, greifen den Körper aber an bereits geschwächten Stellen an“, erklärt Prof. Dr. Gerhard P. Lenz, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in der SternKlinik in Bremen. „Betroffene verspüren häufig Schmerzen, die in einigen Fällen mit einem steifen Gefühl einhergehen. Zusätzlich schwellen betroffene Gelenke oft an.“

Klima aktiviert Erkrankungen

Wer im Winter unter verstärkten Schmerzen leidet, weist gewöhnlich verschleißbedingte Veränderungen oder entzündliche Gelenkerkrankungen wie Rheuma oder Gicht auf. Aber auch grippale Virusinfekte bringen oft entsprechende Beschwerden mit sich. Wie stark sich die Schmerzen äußern, unterscheidet sich von Patient zu Patient. „Dabei reicht die Skala von leichten, ziehenden bis hin zu akuten, massiven Schmerzen, die zusätzlich Ergussbildung, Überwärmung sowie starke Bewegungseinschränkung der Gelenke mit sich bringen“, betont Prof. Lenz. Meist treten die Beschwerden in Knie- und Hüftgelenken sowie in der Wirbelsäule auf.

Wechselspiel des Wetters

Experten bestätigen Zusammenhänge zwischen der Schmerzintensität und plötzlichen Wetteränderungen vom Hoch- zum Tiefdruckgebiet, die mit abnehmender Temperatur, hoher Luftfeuchtigkeit und sinkendem Luftdruck einhergehen. Tatsächlich leiden Patienten in Norddeutschland im Winter häufiger unter Gelenkbeschwerden als im Rest der Republik. Aus welchem Grund Kälte und Nässe den Gelenken zusetzen, ist wissenschaftlich jedoch noch nicht belegt. „Es gibt Vermutungen, dass Wetterumschwünge zum einen die Schmerzrezeptoren reizen und zum anderen entzündete Gelenke bei abnehmendem Luftdruck anschwellen können“, ergänzt Prof. Lenz.

Bewegt durch den Winter

Bei vielen Betroffenen führen Knie-, Hüft- und Rückenschmerzen im Winter dazu, dass sie sich noch mehr schonen als üblich. Doch damit wählen sie den falschen Weg. Zwar gilt es, Überlastungen zu vermeiden, aber Gelenke leben von Bewegung. „Da Gelenkknorpel nicht durchblutet, sondern über die Gelenkflüssigkeit ernährt werden, verbessert der Wechsel von Be- und Entlastung ihren Stoffwechsel“, weiß der Orthopäde der SternKlinik. Bereits ein täglicher Spaziergang trägt somit dazu bei, Gelenkschmerzen zu lindern. Hierbei wind- und wasserabweisende Kleidung tragen, die warm hält. Nach der Bewegung im Freien tut den Gelenken ein Saunagang oder ein warmes, durchblutungsförderndes Bad gut. Weiterhin gelten Schwimmen im warmen Wasser und Fahrradfahren als ideale Sportarten. Sie ermöglichen, Gelenke unter Entlastung zu bewegen, und trainieren gleichzeitig die Muskulatur.

Frühzeitige Diagnose

Anhaltende Gelenkschmerzen im Winter, die sich nicht auf bereits vorhandene Erkrankungen zurückführen lassen, gehören in die Hände eines Orthopäden. Denn auch andere Erkrankungen – etwa eine verschleppte Borreliose-Infektion – können den Beschwerden zugrunde liegen. Im Patientengespräch, mit Röntgen- oder MRT-Aufnahmen und gegebenenfalls Blutuntersuchungen geht der Arzt der Ursache auf den Grund und leitet bei Bedarf eine entsprechende Behandlung ein. So lässt sich einem weiteren Fortschreiten der Beschwerden frühzeitig vorbeugen.


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