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29.05.2015   |   Arzthelferin/MFA News, Recht, Arzt News

Schwangere Jugendliche: Wohl der Frau bei Abbruch entscheidend

Ist eine minderjährige Frau schwanger und möchte das Kind nicht behalten, müssen die Sorgeberechtigten einem Schwangerschaftsabbruch zustimmen. Im Mittelpunkt steht dabei das Wohl der Schwangeren. Berücksichtigen sie dieses nicht, kann das Gericht die Entscheidung auf eine andere Person übertragen. Das hat das Hanseatische Oberlandesgericht entschieden (Az.: 10 UF 25/14), wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins mitteilt.

In dem verhandelten Fall wollte die schwangere 13-Jährige ihr Kind nicht behalten. Ihr Wunsch war es, Abitur und eine Ausbildung zu machen. Zwischen der jungen Frau und ihrer Mutter gab es massive Konflikte und Streitigkeiten. Die Tochter warf ihrer Mutter aggressives Verhalten vor. Sie hatte daher Angst, mit ihr über die Schwangerschaft zu sprechen und wandte sich an den Allgemeinen Sozialen Dienst.

Die Mutter lehnte einen Abbruch kategorisch ab, da sie gläubige Christin sei. Sie war jedoch ebenfalls kaum bereit, ihre Tochter und deren kleines Kind zukünftig zu unterstützen.

Das Amtsgericht ordnete eine Ergänzungspflegschaft an, die das Jugendamt übernahm. Darunter fielen die Gesundheitssorge, das Aufenthaltsbestimmungs- und das Erziehungsrecht. Das ging der Amtspflegerin nicht weit genug: Sie legte Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht entschied daraufhin, die Pflegschaft so zu erweitern, dass statt der sorgeberechtigten Mutter nun der Ergänzungspfleger über den Schwangerschaftsabbruch entscheiden kann.

Die Richter sahen das Wohl des Mädchens gefährdet, sollte sie gegen ihren Willen gezwungen werden, ihr Kind auszutragen. Die Mutter habe Druck auf ihre Tochter ausgeübt, das Kind auszutragen und deren gegenteiligen Wunsch einfach ignoriert. Darin sahen die Richter einen Missbrauch der elterlichen Sorge. Außerdem könne die Tochter wohl nicht mit einer Unterstützung ihrer Mutter für die Betreuung des Kindes hoffen. dpa


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