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13.07.2017   |   Abrechnung

Abrechnung: Leserfragen zur Abrechnung bei Vertretungen

Frage 1: Eine Patientin kommt zu Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung in die Praxis, weil ihr Gynäkologe in Urlaub ist. Wir machen aber keine offizielle Vertretung für diese Praxis. Lege ich den Fall als Originalschein an oder muss ich einen Urlaubsvertretungsschein anlegen?

Antwort: Sie müssen keinen Vertretungsschein anlegen, wenn Sie nicht die offizielle Vertretung sind. Allerdings macht das abrechnungstechnisch keinen Unterschied, da Sie als Vertretung ohnehin keine Vorsorgeleistungen abrechnen dürfen. Die GOP 01770 darf nämlich nur von einer Praxis abgerechnet werden, auch in der Urlaubsvertretung gibt es hier keine Ausnahme. Sie rechnen also die erbrachten Leistungen kurativ ab.

Frage 2: Ein Patient war als Vertretungspatient bei uns während des Urlaubs seines Hausarztes. Wir haben einen Vertreterfall angelegt. Nun möchte der Patient bei uns akupunktiert werden. Wie rechne ich das ab? Kann ich einen ganz normalen Versicherungsfall zusätzlich anlegen, wenn ich keinen Überweisungsschein von dem Patienten habe? Oder brauche ich einen Überweisungsschein und lege dann einen Schein „Auftragsleistungen“ an?

Antwort: Wenn der Patient ganz zu Ihnen wechselt, können Sie für das ganze Quartal einen Originalschein (Versicherungsfall) anlegen. Dann können Sie z. B. auch die Chronikerpauschalen mit „H“ abrechnen. Wenn er nur wegen der Akupunktur zu Ihnen kommt, dann legen Sie neben dem Urlaubsvertretungsschein für die Akupunkturleistungen noch einen Originalschein an, auf dem Sie die Akupunktur abrechnen. Eine Überweisung ist dafür nicht zwingend erforderlich.

Frage 3: Dürfen wir in der Urlaubsvertretung auch die Chronikerpauschalen, evtl. mit „H“ abrechnen?

Antwort: Nein, in der Regel nicht, denn es muss auch in der Urlaubsvertretung die Abrechnungsrichtlinie (4-3-2-1-Regel) erfüllt sein, was in der Urlaubsvertretung nur ganz selten vorkommt. Dazu müsste der gleiche Patient in 4 Quartalen 3-mal bei Ihnen in der Urlaubsvertretung gewesen sein und in 2 Quartalen eine Versichertenpauschale abgerechnet worden sein.

Frage 4: In der letzten Urlaubsvertretung war ein Patient bei uns, der aber im HzV eingeschrieben ist. Unsere Praxis macht bei HzV nicht mit. Können wir den Patienten jetzt „normal“ über die KV abrechnen?

Antwort: Ja, denn es ist nicht Ihr Verschulden, dass der Patient keinen HzV-Vertretungsarzt aufsucht. Sollte das öfter vorkommen, sollten Sie aber die betreffende Hausarztpraxis informieren, dass deren Patienten das noch nicht realisiert haben und die Infos besser weiter gegeben werden sollten.

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