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23.08.2016   |   Abrechnung

Abrechnung: Leserfragen zur Privatabrechnung

Frage 1: Ich habe Kassenpatienten, die sich ausdrücklich privat behandeln lassen und eine Rechnung nach GOÄ haben möchten, obwohl es sich bei den Leistungen nicht um IGeL handelt. Wie können wir da vorgehen? Gibt es dafür Regelungen?

Antwort: Hier muss man unterscheiden, ob die Patienten bei ihrer GKV Kostenerstattung beantragt haben oder ob sie wirklich einfach eine Privatabrechnung wollen.

Haben sie Kostenerstattung beantragt, muss man abklären, ob sie weiterhin Arznei-, Heil- und Hilfsmittel auf GKV-Formularen erhalten oder nicht. Abgerechnet werden diese Patienten nach GOÄ, sie erhalten eine normale Rechnung (wie jeder andere Privatpatient auch) und reichen diese bei ihrer Krankenkasse ein.

Vorsicht geboten ist bei Patienten, die sich (zum Beispiel, um einen schnelleren Termin zu bekommen) als Privatpatienten behandeln lassen möchten, aber GKV-versichert ohne Kostenerstattung sind. Hier habe ich schon oft erlebt, dass diese Patienten im Nachhinein einen Überweisungsschein brachten und behaupteten, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Oder dass von der GKV anschließend ein Schreiben kam, dass es sich um einen GKV-Versicherten handele, man über die KV abrechnen solle und die Rechnung hinfällig sei.

Wir hatten auch schon Patienten in der Privatsprechstunde, die uns dann einen Überweisungsschein vorlegten und süffisant grinsend sagten, das wäre am Telefon wohl falsch verstanden worden, sie seien gar nicht privat versichert.

Mein Rat: Mit GKV-Patienten, die eine Privatrechnung wollen, müssen Sie unbedingt einen Behandlungsvertrag abschließen, in dem steht, dass der Patient eine private Behandlung ausdrücklich wünscht, sich bereit erklärt, die Rechnung in voller Höhe zu zahlen, und dass die Praxis keinerlei Einfluss auf diese Entscheidung genommen hat.

Frage 2: Privatpatienten werden ja in der Prüfzeit nicht berücksichtigt. Das bedeutet: Wenn eine Praxis einen hohen Anteil an Privatpatienten hat, hält sie das Zeitprofil viel einfacher ein. Wird die Prüfzeit/das Zeitprofil gar nicht auf die Zahl der Behandlungsfälle/Arztfälle bezogen? Oder der Anteil der Privatpatienten in irgendeiner Weise von der KV geprüft?

Antwort: Die KV interessiert sich nicht für die Privatpatienten der Praxis. Dies sind völlig unabhängig voneinander funktionierende Systeme.

Frage 3: Können Sie mir bitte sagen, ob mit einer Blutdruck-, Puls- und Oxymetriemessung die Ziffer 7 gerechtfertigt ist, oder ob der Arzt zusätzlich den Patienten untersuchen muss?

Antwort: Für die GOÄ-Nr. 7 muss ein Patient untersucht werden, und zwar eines der in der GOÄ-Legende benannten Organsysteme vollständig. Puls- und Blutdruckmessung reichen dazu nicht aus. Im Übrigen sind reine Messungen von Körperzuständen allein (z. B. Größe, Gewicht, Blutdruck, Körpertemperatur) auch in der GOÄ nicht abrechnungsfähig. Die Pulsoxymetriemessung kann mit der GOÄ-Nr. 602 abgerechnet werden.

Frage 4: Wie rechne ich für einen Privatpatienten eine kapillare Blutentnahme ab? Mit der GOÄ-Nr. 250?

Antwort: Die Nr. 250 kann nicht für eine kapillare Blutentnahme abgerechnet werden, sondern nur für eine Blutentnahme aus der Vene. Für die kapillare Blutentnahme bei einem Erwachsenen gibt es in der GOÄ keine Abrechnungsmöglichkeit.

Frage 5: Unsere Frage bezieht sich auf die Abrechnung der GOÄ-Nrn. 716 und 717. Sie berichteten neulich, dass beim gleichen Kontakt nur der Höchstwert nach Nr. 718 abgerechnet werden darf, was wir bisher immer falsch gemacht haben. Die Arten der Untersuchungen müssen aber trotzdem angegeben werden, oder? Was müssen wir als Begründung anführen? Sind im Begründungstext nur die Nrn. 716 und 717 anzugeben oder müssen wir den Inhalt der Leistungsziffern schreiben, was ja alles gar nicht auf Rechnung passt? Wie soll der Begründungstext aussehen?

Antwort von Dr. Dr. Peter Schlüter: Die Leistungen nach den GOÄ-Nrn. 716 und 717 sind jeweils „je Untersuchungsgang“ und damit mehrmals pro Sitzung und ggf. auch nebeneinander berechnungsfähig. Der Höchstwert nach Nr. 718 wird erst berechnet, wenn die Nr. 716 viermal (oder öfter) zur Abrechnung kommt oder wenn die Nrn. 716 und 717 mehrmals nebeneinander geleistet und damit auch berechnet werden. Beachten Sie dabei auch, dass bei zweifacher Berechnung der Nr. 716 plus der einmaligen Berechnung der Nr. 717 der Höchstwert noch nicht erreicht ist, so dass in diesem Falle noch nicht die Nr. 718 berechnet werden muss.

Insofern ist auch Ihre Annahme bzw. Lesart, „dass beim gleichen Kontakt nur der Höchstwert nach Nr. 718 abgerechnet werden darf“, nicht ganz richtig. Dieser Höchstwert ist nur dann abzurechnen, wenn sich aus der Anzahl der einzelnen Untersuchungsgänge eine höhere Punktzahl als 251 Punkte ergibt.

Nur wenn Sie die 718 berechnen, müssen Sie die Untersuchungsgänge angeben. Diese Angabe machen Sie am besten in der Leistungslegende.

Hier ein Beispiel, wobei für die Faktorerhöhung die Begründung mit angegeben ist:

GO-Nr. 718, Prüfung: Bewegungsvermögen, Koordination, Sprachvermögen, Sozialverhalten, F. 3,4/49,74 €, 251 Punkte, Begründung: aufwendige Untersuchungsbedingungen

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