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30.10.2016   |   Arzt News

Apotheker fordern Verbot von Boni auf Arzneimittelpreise

Die deutschen Apotheker verlangen eine sofortige Gesetzesänderung, um die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) erlaubten Rabatte auf Arzneimittel im Versandhandel wieder abzuschaffen. Dafür werde die Apothekerschaft eine bundesweite Kampagne auflegen, kündigte der Präsident der Vereinigung der Apothekenkammern und -verbände, ABDA, Friedemann Schmidt, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" an. "Wir werden aus allen Rohren schießen. Dieser destruktive Eingriff in die Rechtsordnung, in funktionierendes Gesundheitswesen muss geheilt werden", sagte Schmidt der Zeitung. Die Änderung sei binnen weniger Wochen im Rahmen des derzeit beratenen Arzneimittelgesetzes möglich.

Nach dem Urteil der Luxemburger Richter müssen sich ausländische Versandapotheken nicht an die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel halten. Bayern kündigte deshalb eine Bundesratsinitiative an, um den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln in Deutschland zu verbieten. Derzeit suche man das Gespräch mit Politikern und Ministern auf Bundes- und Landesebene, sagte Schmidt. Aber auch die Kunden in den Apotheken sollten informiert werden, die Öffentlichkeit mit Anzeigen und Plakaten davon überzeugt werden, dass es falsch sei, den Preiswettbewerb im Arzneimittelgeschäft zu eröffnen.

Hart attackierte der Apothekerpräsident die Europarichter. Das Urteil habe die Apotheker in der Sache und im Ton "maximal" provoziert. "Die Geringschätzung pharmazeutischer Arbeit, die daraus spricht, die ist eine gewaltige Provokation, und die nährt eine europakritische Stimmung, die wir gar nicht brauchen." dpa


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